Pressemitteilung Kirchenkreis Blankenese 11.06.1999

Die „Millennium-Bombe": Vortrag von Prof. Dr. Klaus Brunnstein am 10. Juni 1999 im Kirchenkreis Blankenese

Bis spät in die Nacht diskutierte Prof. Brunnstein vom Fachbereich Informatik an der Universität Hamburg mit Zuhörern aus dem Kirchenkreis Blankenese die Risiken, die sich durch die Zeitumstellung im Jahr 2000 in computergesteuerten Systemen ergeben können.
Brunnstein, Begründer und Leiter des Fachgebietes „Anwendungen der Informatik in Geistes- und Naturwissenschaften" warnte vor einer Endzeitpanik, wies aber nüchtern auf die Versäumnisse bei vielen Unternehmen und staatlichen Einrichtungen hin, die komplizierte Technik frühzeitig auf ihre funktionierende Umstellung zu überprüfen. Brunnstein: „Allein auf dem Sektor der Medizin müssen sämtliche Geräte überprüft werden, ob ihr Zeitsystem auch das Jahr 2000 ausweist. Sonst kann es passieren, daß z.B. Herzschrittmacher zu Silvester statt auf das Jahr 2000 auf das Jahr 1900 zurückspringen, dies als Fehler erkennen und stehen bleiben."
In den Silvestertagen fahren große Betriebe wie die Hein-Gas-Firma in Hamburg sowohl computergesteuert als auch manuell. Brunnstein: „Zur Not, wenn wirklich ein Computer die Ziffer 2000 nicht eingebaut hat und stehen bleibt, werden die Mitarbeiter des Stromkonzerns manuell die alten Hebel und Räderwerke betreiben, die zum Glück noch vorhanden sind." Die Zuhörer atmeten erleichtert auf, denn gegen tagelangen Stromausfall helfen nur Taschenlampen, Holz- und Kohleöfen. Dies hat nicht jeder Haushalt zur Hand.
Manuelle Überbrückungen der inzwischen computergesteuerten Geräte üben inzwischen manche Unternehmen regelrecht ein. Brunnstein: „Die Polizei und die Feuerwehr in Hamburg üben inzwischen monatlich eine manuell gesteuerte Einsatzleitung - wie früher. Zum Glück kommt die Zeitenwende nicht erst in 20 Jahren, dann wären alle alten Mechaniken verrostet und - noch schlimmer - die nächste Generation kennt die manuelle Bedienung dann nicht mehr."
Das gleiche Problem besteht bei der Schiffahrt, inzwischen ähnlich wie Flugzeuge und Zugverkehr auf Computersteuerung ausgerichtet.
Wenige Jahre nach dem Siegeszug der Computertechnik in unserem Alltag zeigt sich, daß wir noch in dessen Pionierzeit leben. Brunnstein: „Die alten Geräte von vor 5-6 Jahren haben die Zeitumstellung aus Kostengründen nicht in ihre Chips aufgenommen. Geräte aus den letzten 3-4 Jahren haben angefangen, das Jahr 2000 in ihr System zu integrieren."
Eine Umrüstung der alten Systeme betrifft nahezu alle Lebensbereiche: Klimaanlagen müssen überprüft werden, Heizungen und Aufzüge können im Notfall stehenbleiben, Telephonnetze und Elektronik ausfallen. Notrufnummern für Polizei und Notarzt werden derzeit in einer vorgezogenen „Zeitreise" schon auf ihre Jahr 2000-Tauglichkeit überprüft.
„Die großen Banken haben frühzeitig angefangen, ihre Anlagen auf das Jhr 2000 umzurüsten", betonte der weltweit bekannte Computerfachmann, „doch kleine Betriebe und öffentliche Einrichtungen haben oft nicht das Geld dazu." Allein die Commerzbank pumpte 250 Mio DM gegen Programmierfehler. Das Institut von Professor Brunnstein bietet für die sensible Übergangszeit Hilfe an: In seinem Internet-Angebot (http://agn-www.informatik.uni-hamburg.de/jahr2000/)
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werden stets aktuelle Informationen geboten. Sie sollen besonders kleinen und mittleren Unternehmen sowie Privatpersonen helfen, ihre Computer und lokalen Netzwerke vor dem „Gau" beim Übergang ins Jahr 2000 zu schützen. Brunnstein am 10. Juni Blankenese: „Sie können uns gerne im Institut anrufen, wir schicken bei kleineren Anlagen auch Studenten vorbei, die die Mängel beheben können."

Cornelia Strauß