Blankeneser Schifffahrt | Fruchtjager & Frachtfahrer
Erarbeitet, zusammengetragen und realisiert vom Förderkreis 700 Jahre Blankenese | |
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Die Härte des Seefahrerlebens aus der Zeit um die Jahrundertwende mit Texten aus der Literatur |
 Es war eine lange Seereise bis zur Themse. Volle zwölf Tage jagte uns ein schwerer Nordwest kreuz und quer über die Nordsee, die in dieser Zeit ein großer kochender Kessel war. Ernst Schulze |
 Noch hüüt, speurt man in disse Tied, vun Fischers un vun Seemannsfohrt.
Vun Seelüüd, de de See hebbt pleugt, dat Meer noh alle Kanten.
L. Bielert, Blankenese |

Käm man endlich an den Horn Juli Monat oder loter
Rasmus tämlich wär in Zorn,
und dat Schipp stünn unner Water. | Un en Kohstorm weiht dor nern Stick in Steben West-Süd-West,
Slag op Slag dor rum to krüzen.
Feder däh wohl denn sin best. | Wär man free denn von den Horn, Backstagbris no boben rop,
föhl man sik wi nee geborn
mit den Royals hoch in Top.
Juius Schade |
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 Und jeder zog seinem eigenen Stern nach und dem entgegen,
was das ungewisse Schicksal für ihn bereithielt. |
 Stoet an toerst op gooden Wind Un all uns Schipp, de buten sünd
Cap Horner Stammtisch auf dem Bulln in den 60er Jahren |
 Grabrede auf die Blankeneser Schifffahrt:
"Maschinen un Schruben kennt wie nich, dormit weet wi nich ümtogohn!"
(Maschinen und Schrauben kennen wir nicht. Damit wissen wir nicht umzugehen)
Dieser denkwürdige Ausspruch machte die ablehnende Haltung fast aller Blankeneser Reeder und Kapitäne gegenüber Neuerungen, wie z.B. Dampfschiffen, deutlich. Der Ausspruch fiel in einem Gespräch zwischen Kapitän Hans Bremer und dem Schiffsmakler August Bolten zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
L. Bielert, Blankenese |
 Wer die Gottverlassenheit der See erfasst
und im Wandern den Horizont, die Möglichkeiten,
ist selten geneigt, darüber viel Worte zu verlieren.
Hans Leip |
 Am 29. und 30. November hatten wir einen Orkan,
dass Luft und Wasser nicht zu unterscheiden war.
Peter Bremer |  Ob sie voll Fernweh und Macht und Mut ausfuhren auf die weiten Wasser der Welt -
oder ob sie voll Weltatem und Weltware und Weisheit heimkamen von den Teichen zwischen den Kontinenten: immer lagen sie voll Mut im Elbstrom, Titanen hinter den hustenden Schleppern, schimmernd aus dem Qualm der Barkassen aufragend, Festungen, unantastbar, gebirgig, übermütig.
Wolfgang Borchert, Blick von Blankenese |
Die Schiffahrt und Fischrey giebt dagegen allen Einwohnern Beschäftigung und Nahrung.
Sie führen eine ungemein große Menge von Fischen nach Altona und Hamburg und verdienen viel Geld mit dem Lootsen und dem Bergen der gestrandeten Schiffe. Von der frühesten Jugend an ist das Wasser ihr liebstes Element, und ihre Geschicklichkeit in der Schiffahrt wetteifert mit den Engländern.
Schleswig-Holsteinischer Provinzialbericht von 1787 über Blankenese
Als sie als dänische Untertanen in den Napoleonsjahren die ergiebigen Fischgründe fliehen
und sich nach Amrum und Sylt wehen lassen mussten, ging ihre Fischerei zugunsten der Finkenwärder zurück, namentlich, als die Frachtschiffahrt ein lohnendes Geschäft zu werden begann.
Unsere meerumschlungene Nordmark, 1914
Aber manchmal gibt es Zeiten, und sie liegen grauer als der graue Dunst Hamburgs über
der uralten ewigjungen Elbe, dann sind der Mut und die Freude und die Kraft auf See geblieben, dann sind sie an fremden, kalten, wüsten Küsten verschollen. Dann sind sie überfällig,
die Freude, der Mut, die Kraft.
DIE ELBE Wolfgang Borchert
Die Blankeneser sind ein kühner, trotziger Menschenschlag. Sie zeichnen sich durch ihren
starken, musculösen Gliederbau, durch ihr grobes, ungehobeltes Wesen, und durch mehrere ihnen ausschließlich eigene Sitten und Gewohnheiten von den Bewohnern der benachbarten Dörfer merklich aus, und bilden einen besonderen Stamm.
HAMBURG UND HAMBURGS UMGEBUNG, 1827
Am Ende der Saison kehren diese Wanderer zu ihren Familien heim und bringen den Ertrag
der Arbeit, dessen Wert selten 20 Pfund überschreitet, mit. Dieser jämmerliche Lohn für
so viel Plackerei und Sorgen, Enthaltsamkeit und Ängste, bildet über Jahre die Hoffnung und Stütze der daheim gebliebenen Familien - und doch, wie häufig macht ein Schiffbruch die Erwartungen zunichte.
Strang, Kunstkritiker, 1831 über die Blankeneser Fischer
Der Ostwind riecht nach Hafen, nach Petroleum, Teer…
und Gewürz. Der Westwind riecht hier nach See. Bei Westwind stehen die betagten Lotsen an den Bollwerken und schnacken weniger als sonst…
Hans Leip, Blankenese
Schuner … haben ihre eigentümliche feingliedrige Anmut. Wenn sie Segel setzen, denkt man an Vögel, die ihre Flügel heben; die Leichtigkeit ihrer Wendungen entzückt ihren Betrachter.
Es sind Seevögel, ihr Schwimmen ist wie Fliegen, es sieht wie eine lebendige Bewegung … aus. Joseph Conrad
Ein Schiff, dessen Segel auf den vierkant gebrassten Rahen festgemacht sind, das sich vom Flaggenkopf bis zur Wasserlinie in der träge schimmernden Fläche eines landumschlossenen Hafens spiegelt, erscheint dem Seemann wirklich als das vollkommendste Bild schlummernder Ruhe. Joseph Conrad

Mien Diern, mien Schipp -
sünd beid liek glatt.
Blooß - se verdrägt sich ne.
De een, de will mit mi no Stadt,
de anner will no See.
Rudolf Kienau

Das Gewerbe, welches die Leute treiben, ist sowol wegen seines Umfanges, als auch um Nuzen und Art der Beschäftigungen ohnstreit eine der wichtigsten Fischereien in ganz Schleswig und Holstein, und es kan daher befremden, daß solche nicht allgemeiner bekannt, mehr beschrieben und geschätzt ist, als Erfahrung lehrt.
Johann Peter Willebrand, "Briefe eines von Hamburgs Vorzügen eingenommenen Verfassers" 1772 über Blankenese.
Am Ende der Saison kehren diese Wanderer zu ihren Familien heim und bringen den
Ertrag der Arbeit, dessen Wert selten 20 Pfund überschreitet, mit. Dieser jämmerliche Lohn
für so viel Plackerei und Sorgen, Enthaltsamkeit und Ängste, bildet über Jahre die Hoffnung und Stütze der daheim gebliebenen Familien - und doch, wie häufig macht ein Schiffbruch
die Erwartungen zunichte.
John Strang, 1831, schottischer Kunstkritiker

Und wir wünschen uns muskelmüde auf die heimkommenden kleinen Fischkutter, die mit asthmatischem Gepucker im Leib die Elbe reinkommen, um einmal so voll von Heimkehr, voll Fracht und Erfahrung sein zu können. Wolfgang Borchert, Blick von Blankenese

Es dampft der Grog, die Brösel qualmen
Und Bilder schweben mancherlei
Von Meer und Glück und Inselpalmen,
und Shanties steigen fromm wie Psalmen.
Die Schiffe rauschen sacht vorbei. Hans Leip |
 Die Blankeneser kannten das offene Meer und die weite Welt besser als die Harburger Berge. |
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